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24.10.2016

Asthma bei Kindern, Asthma bei Erwachsenen – ein und dasselbe?

Die Untersuchung der Lungenfunktion ist wichtig für die Einschätzung der Schwere eines Asthma bronchiale

Mit 300 Millionen Erkrankten ist Asthma die am häufigsten auftretende chronische Atemwegserkrankung weltweit. Obwohl bereits viele Studiendaten vorliegen, bleiben zahlreiche Fragen ungeklärt. Warum beispielsweise entwickeln nur 3-5% der Patienten mit frühkindlichen Symptomen eine dauerhafte Erkrankung? Was passiert während des Jugendalters? Und warum gibt es zahlreiche Neuerkrankungen bei Erwachsenen? Den Stand des Wissens haben vier Ärzte des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) in einem gerade in der Fachzeitschrift Lancet Respiratory Medicine erschienenen Übersichtsartikel zusammengefasst. Sie plädieren für aufeinander abgestimmte Forschung von Kinder- und Erwachsenen-Pneumologen.

Asthma ist eine komplexe Erkrankung. Das zeigt sich schon beim Versuch, die typischen Symptome zu beschreiben. Bei Kindern tritt das sogenannte Giemen auf, ein charakteristisches Atemgeräusch, das durch eine Verengung der Atemwege hervorgerufen wird. Dieses kann sich später zu schwerwiegenderen Symptomen wie Hustenanfällen und Luftnot entwickeln. Allerdings unterscheidet sich von Patient zu Patient, wie lang und intensiv diese Anfälle sind. Auch die Auslösefaktoren variieren: Bei allergischen Asthmatikern spielt der Kontakt mit Allergenen eine Rolle, bei anderen können Infektionen oder Zigarettenrauch ein akutes Krankheitsgeschehen auslösen. Allen gemein ist jedoch eine chronische Entzündung der Atemwege.

Asthma wurde bereits in einer Reihe von Studien untersucht. Bei Kindern waren das vor allem epidemiologische Untersuchungen, die verfolgten, wie sich die Symptome entwickelten. Interessanterweise fand man, dass nur 3-5% aller Kinder, die Giemen oder frühe Asthma-Symptome zeigen, die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter behalten. In einer anderen Gruppe verschwinden die Symptome nur vorübergehend, treten im Erwachsenenalter aber wieder auf. Darüber hinaus gibt es Patienten, die erst als Erwachsene ihren ersten Asthmaanfall haben. Meist leiden diese Patienten mit „adultem Asthma“ unter besonders schweren Symptomen.

Wissenslücken bestehen insbesondere im Zeitraum des frühen Erwachsenenalters, den die Autoren des Artikels als „Black Box“ bezeichnen. Dies liegt daran, dass viele Patienten dann nicht weiter an Studien teilnehmen: Bei manchen tritt eine vorübergehende Verbesserung der Erkrankung auf, die dazu führt, dass sie nicht mehr zu ihrem Arzt gehen. Zudem ziehen Menschen – beispielsweise berufsbedingt – häufiger um und können dann nicht weiter bei einer nur lokal durchgeführten Studie mitmachen.

In Studien mit Erwachsenen setzen Wissenschaftler ein breites Spektrum an Untersuchungsmethoden ein: Neben klinischen Daten können verschiedene Biomaterialien wie Sputum und kleine Lungenbiopsien gewonnen werden, etwas, das bei Kindern nicht möglich ist. Da diese Probanden aber erstmals als Erwachsene teilnehmen, ist ihre vorherige Krankengeschichte oft nur bedingt rekonstruierbar.

Was weiß man über die Ursachen von Asthma? In der Vergangenheit konnte eine Reihe von Risikofaktoren für Asthma gefunden werden. Beispielsweise spielen genetische, epigenetische und Umwelteinflüsse eine Rolle. Wer bereits an einer Atopie oder Allergie leidet, hat ein erhöhtes Risiko, an Asthma zu erkranken. Zu den wichtigsten umweltbedingten Auslösern gehört das Zigarettenrauchen. Dies könnte sogar bereits vorgeburtlich von Einfluss sein, wenn nämlich die Mutter raucht. Was das Verschwinden der Symptome im Jugendalter angeht, weiß man, dass dies vor allem bei Jungen passiert. Die biologische Ursache dafür ist allerdings unklar. Generell nehmen Forscher an, dass die zugrundeliegende Atemwegsentzündung andauert – selbst wenn typische Asthmasymptome seltener auftreten oder ganz ausbleiben.

Die Autoren des Artikels plädieren dafür, standardisierte molekulare Ansätze für Untersuchungen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zu nutzen, um die offenen Fragen zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen und Ursachen des Asthmas zu klären. „Das DZL verfolgt in diesem Zusammenhang das Ziel, Patienten über einen längeren Zeitraum vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter hinein regelmäßig zu untersuchen“, sagt Dr. Thomas Bahmer von der LungenClinic Grosshansdorf. Hierzu werden sogenannte Transitionskliniken aufgebaut, um den Übergang von Jugendlichen ins Erwachsenenalter explizit zu verfolgen. „Wenn wir die unterschiedlichen Verläufe der Erkrankung und ihre molekularen Ursachen besser kennenlernen, können wir vorhersagen, welche Therapie für einen bestimmten Patienten am besten ist – oder ob er vielleicht vorhersagbar überhaupt keine dauerhafte Behandlung braucht, weil die Symptome nur vorübergehend sind“, skizziert Dr. Oliver Fuchs von der Ludwig-Maximilians-Universität München eine zukünftige Behandlungsstrategie. Ob es sich bei Asthma um eine einheitliche Krankheit oder um eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheitsbilder handelt, wird zurzeit intensiv diskutiert. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass Ärzte ihre Patienten zukünftig besser und personalisierter behandeln können, weil sie unterschiedliche Krankheitsverläufe genauer kennen.

Die gerade publizierte Übersichtsarbeit entstand in Kooperation der DZL-Standorte ARCN und CPC-M. Dr. Oliver Fuchs und Prof. Dr. Erika von Mutius sind pädiatrische Allergologen am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München und engagieren sich im DZL schwerpunktmäßig im Kinder-Register Asthma (KIRA). Dr. Thomas Bahmer und Prof. Dr. Klaus F. Rabe arbeiten in der Abteilung Pneumologie an der LungenClinic Grosshansdorf und bauen das Erwachsenen-Register Asthma (ERA) auf. An beiden Studien sind weitere Partner des DZL beteiligt.

Weitere Informationen: Fuchs O*, Bahmer* T, Rabe KF, von Mutius E (2017) Asthma transition from childhood into adulthood. Lancet Respir Med 5: 224-234 *geteilte Erstautorschaft

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/jbul



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