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18.12.2018

Mit Salz gegen Mukoviszidose

Im "SpaceLab" wird der Lung Clearance Index (LCI) mittels Gasauswaschverfahren bestimmt.

Mukoviszidose (Zystische Fibrose) ist eine schwere Erkrankung, die – unerkannt und unbehandelt – zum frühen Tod führen kann. Wissenschaftler und Ärzte des DZL konnten in einer kürzlich publizierten Studie feststellen, dass der Krankheitsverlauf sich bessert, wenn bereits Säuglinge eine hochkonzentrierte Kochsalzlösung inhalieren.

An Zystischer Fibrose (CF) erkrankte Menschen leiden unter Symptomen in zahlreichen Organen – zum Beispiel Lunge, Darm und Bauchspeicheldrüse. Bei der auch als Mukoviszidose bezeichneten Krankheit bildet sich ein zähes, auf den Schleimhäuten zurückbleibendes Sekret, das im Darm die Verdauung und in der Lunge den Gasaustausch behindert. Daher nehmen erkrankte Kinder schlechter an Gewicht zu. Zudem führt das Sekret zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber bakteriellen Atemwegsinfektionen und Lungenentzündungen. Die biologische Ursache für Mukoviszidose ist ein erblicher Defekt des CFTR-Chlorid-Ionen-Kanals, der den Flüssigkeitshaushalt in verschiedenen Sekreten maßgeblich reguliert. Da die Symptomatik nach der Geburt rasch fortschreitet, war die Lebenserwartung der Patienten bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr begrenzt: Meist starben sie bereits im Säuglings- oder frühen Kindesalter. Mittlerweile erreichen CF-Kranke aber ein Alter von über vierzig Jahren. Dies liegt an Fortschritten bei der Erkennung der Krankheit, zum Beispiel durch einen einfach durchführbaren Schweißtest oder das kürzlich in Deutschland eingeführte genetische Neugeborenen-Screening. Auch neu entwickelte Therapien wie inhalierbare Antibiotika, mit denen Lungeninfektionen behandelt werden können, haben wesentlich zur besseren Prognose beigetragen.

In der kürzlich im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine publizierten Studie standen sowohl Diagnostik als auch Therapie der Mukoviszidose im Fokus: DZL-Wissenschaftler untersuchten erstmals an Neugeborenen eine schon bei älteren Kindern etablierte Therapie, nämlich die Inhalation einer hochkonzentrierten Kochsalzlösung. Diese löst den zähen Lungenschleim und ermöglicht so ein leichteres Abhusten. Die Studie sollte klären, ob sich die Symptome durch die frühzeitige und präventive Behandlung im Säuglingsalter verzögert entwickeln. Den Verlauf der Behandlung überwachten die Forscher mit zwei diagnostischen Methoden, der Messung der Lungenfunktion mittels Lung Clearance Index (LCI) und der Magnetresonanztomographie (MRT). Mit dem LCI misst man den Gasaustausch innerhalb der Atemwege, während das MRT Veränderungen der Lungenstruktur dokumentiert.
Tatsächlich zeigte sich, dass die für zwölf Monate mit der konzentrierten Salzlösung behandelten Kinder einen besseren LCI hatten als solche, die eine Vergleichstherapie erhielten. Zudem legten sie schneller an Gewicht zu, was darauf schließen lässt, dass die Therapie die Gedeihstörung abmildert. Die Zahl an akuten Verschlechterungen unterschied sich zwischen beiden Behandlungsgruppen nicht und war insgesamt niedrig. Nebenwirkungen traten nicht häufiger auf als bei der Vergleichstherapie. Im Gegensatz zur LCI-Messung konnten mittels MRT allerdings keine Unterschiede gefunden werden. Die Autoren erklären dies damit, dass der LCI eine empfindlichere Methodik bietet, um eine solche präventive Therapie zu überwachen. Weitere Studien müssen zeigen, ob beispielsweise eine längere Anwendung weitergehende Vorteile bietet und den Verlauf der Mukoviszidose verzögert. Prof. Dr. Matthias Kopp, Kinderpneumologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck ist davon überzeugt, dass die Ergebnisse dieser Arbeit dazu beitragen werden, früher als bisher eine Inhalationstherapie mit Kochsalzlösung zu beginnen. „Dies passt sehr gut in das Behandlungskonzept für Kinder mit Mukoviszidose, nach dem möglichst frühzeitig die fortschreitende Beeinträchtigung der Lunge erkannt und behandelt werden sollte.“ Dazu können nach Kopps Einschätzung  auch sogenannte „mutationsspezifische“ Therapieansätze beitragen: „Für die häufigste genetische Mutation bei Mukoviszidose („F508del“) gibt es bereits ein Medikament, dass die Funktionsweise des CFTR-Chlorid-Ionen-Kanals verbessert.“ Diese Therapie ist ab einem Alter von sechs Jahren zugelassen.

Die PRESIS-Studie ist ein Projekt der klinischen Studienplattform des DZL. PRESIS steht für „Preventive Inhalation of Hypertonic Saline in Infants with Cystic Fibrosis“, also „Präventive Inhalation von hypertonischer Salzlösung durch Kleinkinder mit Zystischer Fibrose“. Für die Studie arbeiteten Wissenschaftler und Ärzte von vier der fünf DZL-Standorte (ARCN, BREATH, TLRC, UGMLC) unter Leitung von Heidelberger Kinderärzten zusammen. Eine Folgestudie soll klären, ob bereits Kleinkinder ab dem zweiten Lebensjahr von dem Medikament profitieren, das die Funktion des CFTR-Chlorid-Ionen-Kanals verbessert, und ob es auch in dieser Altersgruppe verträglich ist. Hierbei kommen erneut die in der PRESIS-Studie etablierten Methoden LCI und MRT zum Einsatz.



Weitere Informationen:
Stahl M, Wielpütz MO, Ricklefs I, Dopfer C, Barth S, Schlegtendal A, Graeber SY, Sommerburg O, Diekmann G, Hüsing J, Koerner-Rettberg C, Nährlich L, Dittrich A-M, Kopp MV, Mall MA (2018) Preventive Inhalation of Hypertonic Saline in Infants with Cystic Fibrosis (PRESIS): A Randomized, Double-Blind, Controlled Study. Am J Respir Crit Care Med [Elektronische Publikation am 10. November 2018] (ARCN, BREATH, TLRC, UGMLC)

/jbul



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