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04.06.2019

DZL startet EMoLung-Studie zur Therapiekontrolle des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses

War die Krebstherapie erfolgreich? Wie wahrscheinlich ist es, dass der Tumor zurückkommt? – Dies sind Fragen, die Patienten als auch Ärzte in der Nachsorge der Behandlung beschäftigen. Von der Beantwortung hängt ab, wie häufig ein Patient zu teilweise belastenden Kontrollen ins Krankenhaus kommen muss. Um diesen Prozess zu verbessern, startete kürzlich die EMoLung-Studie des DZL.

Alle fünf DZL-Standorte rekrutieren für die EMoLung-Studie* in frühem Stadium erkrankte Patienten. Die klinischen Forschungsteams sammeln fortlaufend Blutproben und Kondensate der Ausatemluft der Studienteilnehmer. Die erste Probennahme erfolgt kurz vor der Operation, alle weiteren dann in den zwei folgenden Jahren. Im Blut fahnden die Wissenschaftler nach Tumor-DNA, während sie die Atemkondensate auf bestimmte Ribonukleinsäuren (RNAs) untersuchen. Ziel ist es – aufbauend auf Vorarbeiten aus der ersten DZL-Förderperiode – eine sogenannte Tumor-Signatur zu finden, die Patienten mit frühem Rezidiv von solchen unterscheidet, die es spät oder gar nicht bekommen. Dabei stehen nicht genetische Mutationen im Zentrum des Interesses, sondern epigenetische Veränderungen*, die durch Einflüsse wie Ernährung, Lebensstil und Schadstoffexposition (beispielsweise Rauchen) ausgelöst werden. Die Folge ist eine Fehlregulierung einer Reihe von Genen. Welche Gene dies sind, wollen wir mit EMoLung herausfinden.  

Prof. Martin Reck von der LungenClinic Grosshansdorf leitet die Studie gemeinsam mit Prof. Ole Ammerpohl (Universitätsklinikum Ulm/Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel) und PD Dr. Guillermo Barreto (Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim). Ammerpohl und Barreto führen in ihren Laboren die epigenetischen Analysen durch. Neben Großhansdorf nehmen Patienten der Medizinischen Hochschule in Hannover, der Universitätsklinika Gießen und Heidelberg, des Klinikums der Universität München und der Asklepios-Fachkliniken in Gauting teil.

Den Standard der Nachsorge stellt zurzeit die Computertomographie (CT) dar, die aufwändig ist und die Patienten belastet. „Falls Atem- und Blutanalyse die CT sinnvoll ergänzen und eine schnellere Diagnose eines Rezidivs ermöglichen würden, wäre dies ein großer Fortschritt“, sagt Studienleiter Martin Reck. Die Blutabnahme, eine ‚Liquid biopsy‘, kann rasch und ohne großes Risiko durchgeführt werden. Für die Gewinnung des Atemkondensats muss der Patient lediglich zehn Minuten in ein Röhrchen atmen. Im Erfolgsfall sollte es möglich sein, den Verlauf der Erkrankung besser vorhersagbar zu machen sowie Kontrolle und mögliche Therapien besser darauf abzustimmen.

 

 

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*EMoLung steht für „Epigenetisches Monitoring von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC)“. Epigenetik ist der Gegenbegriff zur Genetik. Letztere beschäftigt sich mit der Erbsubstanz, den Genen. Diese sind in der Regel im Laufe des menschlichen Lebens unveränderlich. Nur wenn man den Körper beispielsweise starker Strahlung oder bestimmten Giften aussetzt, kann es zu Veränderungen, also Mutationen, kommen. Dagegen lassen epigenetische Änderungen die Gene an sich unverändert. Sie sind aber für deren Regulierung – quasi das Feintuning – verantwortlich. Dieser natürliche Mechanismus ermöglicht es dem Körper, sich Umweltbedingungen wie einem wechselnden Nahrungsangebot oder psychischen und körperlichen Belastungen anzupassen.

 

/jbul



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