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18.06.2015

Neue Therapieoption bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs

Patienten mit einer bestimmten Form eines fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkrebses (NSCLC) haben Vorteile von einer Therapie mit dem Antikörper Nivolumab im Vergleich zu einer „klassischen“ Chemotherapie mit Docetaxel. Eine entsprechende Studie wurde soeben unter Mitwirkung des ARCN-Partners LungenClinic Grosshansdorf im renommierten New England Journal of Medicine publiziert.

Krebstherapien mit spezifischen Antikörpern sind von zunehmendem Forschungsinteresse. Die Vorteile liegen auf der Hand: Klassische Chemotherapeutika, die z.B. die Zellteilung blockieren, wirken sehr breit, wodurch es oft zu Nebenwirkungen kommt. Dagegen wird ein Antikörper passgenau gegen eine Zielstruktur eingesetzt und beeinflusst andere Körperfunktionen weniger. Der in der gerade im New England Journal of Medicine publizierten Studie verwendete Antikörper Nivolumab zielt auf das Protein PD-1 (programmed cell death protein 1), welches auf sogenannten T-Zellen vorkommt. T-Zellen sind im Immunsystem dafür zuständig, körperfremde Strukturen zu erkennen. Tumorzellen unterlaufen diese Kontrolle, indem sie das Molekül PD-L1 produzieren, das an PD-1 bindet und die T-Zell-Funktion unterdrückt. Dazu sagt PD Dr. Martin Reck, der die Studie an der LungenClinic Grosshansdorf leitete: „Dieser Ansatz der Immuntherapie erzeugt aktuell großes Interesse. Dabei verwenden wir spezifische Antikörper, sogenannte Checkpoint-Inhibitor-Antikörper, die auf die durch den Tumor ausgelöste Unterdrückung des Immunsystems einwirkt und so zu einer ‚Reaktivierung‘ der Immunantwort führt.“

In der Studie wurden vorbehandelte Patienten mit einem fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Plattenepithelkarzinom der Lunge entweder mit dem konventionellen Chemotherapeutikum Docetaxel oder dem PD-1-Antikörper Nivolumab behandelt. Mit Nivolumab behandelte Patienten hatten ein um 41% verringertes Sterberisiko. Zudem traten schwere Nebenwirkungen bei nur 7% der Patienten auf, während es bei 55% der Patienten der Fall war, die eine klassische Chemotherapie erhielten. Dies stellt einen ermutigenden Fortschritt dar, da es oft nur wenige Therapieoptionen bei diesem Lungenkrebs gibt. Martin Reck, der auch Ko-Autor der Publikation ist, bewertet die Ergebnisse so: „In der schwer behandelbaren Gruppe von Patienten mit einem fortgeschrittenen und vorbehandelten Plattenepithelkarzinom ist diese Studie seit vielen Jahren die erste, die im direkten Vergleich zwischen Chemo- und Immuntherapie eine klare, objektive Überlegenheit von Nivolumab in Kombination mit einer deutlich besseren Verträglichkeit gezeigt hat.“

Interessanterweise war die Wirkung des Antikörpers auf den Tumor in dieser Studie bei Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom unabhängig davon, ob er PD-L1 produziert oder nicht. Der genaue Funktionsmechanismus des Medikaments muss also noch ergründet werden. Zudem soll in weiteren Studien erforscht werden, welche Patientengruppen innerhalb des hier untersuchten Kollektivs besonders von einer Therapie mit Antikörpern gegen PD-1 profitieren. Martin Reck erwartet mit Spannung, wie weitere Ergebnisse zur Immuntherapie des Lungenkarzinoms ausfallen werden und wie sich die Bedeutung von PD-1 bei anderen Patientengruppen auswirken wird.

 

Weitere Informationen: Brahmer J, Reckamp KL, Baas P, Crino L, Eberhardt WE, Poddubskaya E, Antonia S, Pluzanski A, Vokes EE, Holgado E, Waterhouse D, Ready N, Gainor J, Aren Frontera O, Havel L, Steins M, Garassino MC, Aerts JG, Domine M, Paz-Ares L, Reck M, Baudelet C, Harbison CT, Lestini B, Spigel DR (2015) Nivolumab versus Docetaxel in Advanced Squamous-Cell Non-Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med 373: 123-135

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/jbul



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