18.11.2025
Lungenkrebsvorsorge wird Kassenleistung: HANSE-Studie definiert, wer teilnehmen sollte
Die HANSE-Studie zeigt: Ein Lungenkrebsscreening per Niedrigdosis-Computertomografie (LDCT) ist im medizinischen Alltag umsetzbar. Es ist allerdings wichtig, wie man feststellt, für wen eine Vorsorgeuntersuchung sinnvoll ist und für wen nicht. Wie man die Kriterien hierfür besser festlegt, beschreiben Forschende des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) in einem soeben in Lancet Oncology erschienenen Fachartikel.
An Lungenkrebs erkranken in Deutschland jährlich mehr als 50.000 Menschen. Damit stellt die auch Bronchial- oder Lungenkarzinom genannte Erkrankung bei Frauen die dritthäufigste und bei Männern die zweithäufigste Krebsart dar. Die Hauptursache für Lungenkrebs ist das Rauchen. Je länger und mehr eine Person geraucht hat, desto höher ist ihr Risiko, ein Lungenkarzinom zu entwickeln. Da die Erkrankung oft erst im späteren Verlauf zu Symptomen führt, wird sie häufig im fortgeschrittenen Stadium entdeckt und ist dann häufig nicht mehr gut behandelbar. Wird Lungenkrebs jedoch in einem frühen Stadium erkannt, bestehen durch operative Maßnahmen sowie Immun- oder Chemotherapie gute Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
Klinische Studien untersuchen die Effektivität von CT-Untersuchung des Lungenkrebs-Screenings
In den letzten Jahren fanden international verschiedene Studien statt, die untersuchten, inwieweit eine Lungenkrebsvorsorge mittels Computer-Tomografie (CT) dazu beitragen kann, Lungenkrebs früher zu erkennen. Dabei ging es insbesondere auch darum, Kriterien festzulegen, mit denen das Risiko eines einzelnen Menschen, an Lungenkrebs zu erkranken, ermittelt werden sollte. Personen mit hohem Risiko sollten möglichst an einem Vorsorgeprogramm teilnehmen. Für alle anderen sollte die Belastung eines CT vermieden werden. Zudem stellt sich die ökonomische Frage des effektiven Einsatzes einer Vorsorgemaßnahme.
Wie kann man ermitteln, für wen Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind?
An diesem Punkt setzt die vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) initiierte HANSE-Studie* an. Mit ihr überprüften Forschende der LungenClinic Grosshansdorf, des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck (beide DZL-Standort ARCN) und der Medizinischen Hochschule Hannover (DZL-Standort BREATH) gemeinsam mit AstraZeneca die Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit eines deutschlandweiten Lungenkrebs-Screenings. Im Fokus standen Hochrisikopatientinnen und -patienten – starke aktive und Ex-Raucherinnen und Raucher im Alter zwischen 50 und 75. Insgesamt gut 13.000 Menschen füllten einen Fragebogen aus, auf dessen Basis ein niedriges oder hohes Risiko errechnet wurde. Mehr als 4.000 aus der Hochrisiko-Gruppe kam für ein Niedrigdosis-CT (LDCT) und eine Folgeuntersuchung nach einem Jahr zu einem der drei Studienzentren in Norddeutschland.
Ergebnisse der HANSE-Studie publiziert
Dabei zeigte sich, dass es grundsätzlich großes Interesse in der Bevölkerung gibt, an einem Vorsorgeprogramm teilzunehmen. Zudem ließ sich das Lungenkrebs-Screening gut im medizinischen Alltag der drei Kliniken durchführen lassen. Erste Ergebnisse zeigten bereits, dass ein strukturiertes Screening Lungenkrebs deutlich häufiger in einem frühen, heilbaren Stadium diagnostizieren kann als die bisher übliche Diagnosestellung nach dem Auftreten von Symptomen. Die nun in Lancet Oncology – einem der renommiertesten Fachmagazine im Bereich der Onkologie – publizierten Ergebnisse gehen noch weiter ins Detail: Das verwendete individualisierte Risikomodell mit dem Namen PLCOm2012 erzielte siebenmal bessere Werte als eine eher starre Einteilung nach Alter und Rauchhistorie. Es war damit effektiver und effizienter, um eine Lungenkrebserkrankung zu erkennen.
Dazu erklärt Prof. Martin Reck, Chefarzt des Onkologischen Schwerpunkts an der LungenClinic Grosshansdorf: „Wenn wir den umfassenderen PLCOm2012-Score mit einem definierten Schwellenwert zugrunde legen, müssen wir zwar etwa sechs Prozent mehr Personen screenen, finden aber deutlich mehr Lungenkrebsfälle. Das macht das Screening effizienter, wir müssen also weniger CT-Untersuchungen durchführen, um einen Fall von Lungenkrebs zu diagnostizieren.“
Nächste Phase der HANSE-Studie läuft bereits
Während die Auswertung der Daten weitergeht, wird die nächste Phase der Studie eingeläutet und das Screening auf die bisher als Niedrigrisikopatienten eingestuften Personen ausgeweitet. Auch einen Teil der Personen mit hohem Risiko bestellen die Studienzentren erneut ein, um den Verlauf studieren zu können. Dabei liegt besonderes Augenmerk auf der Integration in bestehende Vorsorgestrukturen, der Digitalisierung von Einladungs- und Dokumentationsprozessen sowie der Auswertung zusätzlicher Risikofaktoren wie genetische Prädisposition oder Umweltbelastungen.
Lungenkrebs-Screening mittels LDCT wird Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung
Zu einem wichtigen Meilenstein konnte HANSE bereits vor einem halben Jahr beitragen: Als eine der ausschlaggebenden Studien war sie mit dafür verantwortlich, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Lungenkrebs-Früherkennung für Risikogruppen als neue Leistung der gesetzlichen Krankenkassen beschlossen hat. Die Umsetzung des Screening-Angebots erfolgt voraussichtlich ab April 2026. Dies ist ein großartiges Ergebnis für die Lungengesundheit der deutschen Bevölkerung.
*HANSE steht für Holistic implementation study Assessing a Northern German interdisciplinary lung cancer Screening Effort
Quelle: Link zum Artikel
/jbul
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